Pressetext Capoeira EM 2010

Salzburg war vier Tage lang Hauptstadt der europäischen Capoeira-Szene – Ein Rückblick auf die 12. Capoeira-Europameisterschaft (Jogos Europeus)

Abseits vom Rummel der klassischen Osterfestspiele fand von 2. bis 5. April die Capoeira-Europameisterschaft zum zweiten Mal in Salzburg statt.

Es nahmen rund 500 Capoeira-AthletInnen aus ganz Europa an der Veranstaltung teil, 128 stellten sich bei den Wettkämpfen  und die Finalisten bewiesen ihr Können vor den Augen von 2000 Zuschauern und einer professionellen brasilianischen Jury.

Die Capoeira Europameisterschaften sind seit jeher eine Gelegenheit sich mit anderen Capoeiristas auszutauschen, gemeinsam zu trainieren und neue Freundschaften zu knüpfen. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete ohne Zweifel, das Finale am Ostersonntag, bei der unter spannungsgeladener Atmosphäre der Europameister 2010 gekürt wurde. Auch Valdo Silva, Organisator der EM und bereits zweimaliger Europameister (2008/2009) konnte beim Finale am Sonntag Abend antreten. Er erreichte den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Der erster Platz ging an Ator aus Spanien und der dritter Platz an Calado aus Belgien.

So vielfältig wie Capoeira war auch das Angebot der Veranstaltung: von Schnupperkursen für Interessierte, Workshops für jede Graduierung über Tanz-, Instrumentenbau- und Percussion-Kurse war für jeden etwas dabei. Am Freitag und Samstag Abend fanden die Vorausscheidungen der Wettkämpfe statt. In den zwei Kategorien  Amateure (B) und Profis (A) spielten sich die Capoeirista in die nächste Runde.

Die Wettkampfregeln

Für Laien sind die Wettkampfregeln oft schwer zu durchschauen: Capoeira ist viel mehr als ein Kampfsport, deshalb ist das Ziel der Capoeira Europameisterschaft den Capoeirista als Ganzen zu beurteilen: Rhythmus, Technik, Kreativität, Charakteristik, Kontinuität und Wissen über die kulturelle Identität der Capoeira Kunst.

In den folgenden Kategorien werden die Besten von Europa ausgewählt: Gesamt, nach Graduierung, nach Ländern, männlich und weiblich, nach Team, bestes „Angola“, „Benguela“, „São Bento Grande” und “Iúna” Spiel.

Bei den vier verschiedenen Spielen stehen verschiedene Charakteristika, die das Spiel haben sollte im Vordergrund: Während „lúna“ sich durch viel Akrobatik auszeichnet, steht bei Benguela die Harmonie, bei „São Bento Grande” die Zielgerichtetheit und bei Angola die List im Vordergrund.

Klassen: Der Bewerb ist aufgeteilt in zwei Klassen: Klasse „A“ (Profi) von corda azul (blau) bis corda rôxa (lila), Klasse „B“ (Amateure) von corda laranja  (orange) bis corda laranja-azul (orange-blau).

Gruppen: Die Capoeiristas sind in Gruppen zu je vier aufgeteilt, sie spielen untereinander, diejenigen mit der höchsten Punkteanzahl steigen in die nächste Runde auf.

Rhythmen: In jeder Runde spielt der Capoeirista mehrere Male, jedes Mal zu einem anderen Rhythmus: “São Bento Grande”, “Iúna” und “Angola” oder “Benguela”.

Punkte: von 1 bis 10
Technik und Kreativität (0 bis 3)
Rhythmus (0 bis 1)
Zielgerichtetheit (0 bis 2)
Kontinuität (0 bis 2) Charakterisierung (0 bis 2)

Die Punkte werden an das Spiel und nicht an die einzelnen Spieler vergeben, jeder Teilnehmer nimmt alle Punkte eines Spieles mit. Die Capoeiristas mit der höchsten Punkteanzahl innerhalb ihrer Gruppen steigen in die nächste Runde auf. Zu Beginn jeder neuen Runde werden die Punkte wieder auf Null gesetzt. Die Gesamtpunkteanzahl wird nur bei unentschieden herangezogen, d.h. bei Punktegleichstand von zwei oder mehr Teilnehmern derselben Gruppe.

Unentschieden:

  1. Höhere Punkteanzahl im Wettbewerb
  2. Gesang und Berimbau-Spiel (die Entscheidung findet zwischen zwei Runden des Wettbewerbes statt).

Strafpunkte:

  • Absichtliches Treffen oder Festhalten des Partners, minus 2 Punkte in der Einzelwertung (wenn der getroffene Teilnehmer dadurch den Wettbewerb nicht fortsetzen kann, wird der Angreifer vom Bewerb disqualifiziert.).
  • Decharakterisierung des Spiels, minus 1 Punkt.

Spieldauer:

  • São Bento Grande  - 45 Sekunden
  • Iúna - 60 Sekunden
  • Benguela und Angola - 90 Sekunden

Jury: Die Punkte werden von Mestres und Mestrandos (Meister) vergeben. Nicht angeführte Fälle: Fälle, die in diesem Reglement nicht erläutert werden, werden von der Organisation der Jogos untersucht und entschieden.


Entstehung und geschichtliche Hintergründe von Capoeira

Capoeira ist ein afro-brasilianisches Erbe, das in der Kolonialzeit Brasiliens seine Ursprünge hat und ein wichtiger Teil der Widerstandsbewegung der afrikanischen SklavInnen in Brasilien war. Die Sklaven ließen sich ihre Kultur und ihr Wissen nicht nehmen. Ihre Tänze, Riten, Musik, Kämpfe und Spiele entwickelten sich mit der Zeit im Verborgenen, und aus der Mischung dieser kulturellen Manifestationen entstand die Capoeira.

Capoeira wird zu zweit in einer Roda gespielt. Die Roda ist ein Kreis aus Capoeira SpielerInnen, die die zwei SpielerInnen in der Mitte mit Gesang, Musikinstrumenten und Klatschen begleiten und anfeuern. Valdo Silva beschreibt Capoeira als mehr als einen Kampfsport „Capoeira ist eine Kunstform die mehrere Kunstformen in sich vereint...“

In Brasilien war Capoeira lange Zeit verboten und wurde nur heimlich gespielt. Erst Mestre Bimba machte Capoeira durch die Eröffnung der ersten offiziellen Capoeira-Schule im Jahr 1932 in Bahia (Brasilien) salonfähig. Valdos Vater, Grão Mestre Camisa Roxa, war Schüler von Mestre Bimba und war zusammen mit seinem Bruder Mestre Camisa an der Gründung von Abadá Capoeira beteiligt und trug so einen bedeutenden Teil dazu bei, dass Capoeira heute auch in Europa verbreitet ist.

 
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